Aktion "Blühende Ämter"
Naturparadies zum Nachmachen

Zwei Männer auf Pflanzfläche deuten auf ein SchildZoombild vorhanden

© Rainer Lutz

Eine Infotafel direkt an der Goethestraße lockt in den Garten hinter dem Amt für Ernährung Landwirtschaft und Forsten in Coburg. Wer wissen will, wie er seinen Garten zu einem kleinen Naturparadies machen kann, der sollte sich auf den Pfad begeben, der ihn dort von einer Station zur nächsten führt – ohne Anmeldung, einfach während der Öffnungszeiten.

Wildlebensraumberater Karl Gommel hilft normalerweise im Bereich des Amtes Coburg/Lichtenfels Landwirten oder Jägern, die draußen in Feld und Flur Flächen für die Förderung der Artenvielfalt herrichten wollen. Jetzt hat er zusammen mit Faruk Varol, dem Haustechniker des Amtes, den Garten zu einem Lehrbeispiel für alle umgestaltet, die gern auch etwas für die Natur tun wollen.

All dies geschah im Rahmen des Programms "Blühende Ämter", über das Bayerns Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber sagt: "Mit der Aktion wollen wir Besucherinnen und Besuchern unserer Ämter zeigen, wie man auch auf begrenztem Raum einen wertvollen Beitrag für Artenvielfalt und Insektenschutz leisten kann." Es ist für jeden viel einfacher, etwas für die Natur zu tun, als viele glauben werden. Natürlich kann nicht jeder alles umsetzen, was im Garten gezeigt wird. Aber er kann sich vielleicht etwas aussuchen unter Lesesteinhaufen, Totholzdeponie, Insektenhotel, Blühfläche oder Nistkasten.
Blühmischung je nach Standort auswählen
So einfach es ist – ein paar Dinge sind für all diese Angebote an die Natur schon zu beachten, wenn sie ihren Zweck nicht verfehlen sollen. Karl Gommel beginnt bei der Blühfläche. "Die wird jetzt im Herbst wohl vielen nicht gut gefallen", weiß er. Denn was da im Frühjahr gesät wurde, dann aufging und abwechselnd für Blütenpracht sorgte, das ist jetzt verdorrt und welk und nur hier und da zeigt sich noch eine kleine Blüte. Doch Karl Gommel lenkt den Blick auf den Boden unter den welken Stängeln: "Hier sieht man, dass jetzt schon wieder einiges kommt", sagt er.
Die richtige Mischung finden, die Blühflächen im Amtsgarten sind unterschiedlich. Sie zeigen drei verschiedene Saatmischungen. "Nicht jede eignet sich für jeden Standort", erklärt Karl Gommel. Gerade im städtischen Umfeld stehe eben oft nicht der humose Boden zur Verfügung wie auf landwirtschaftlichen Flächen. "Da eignet sich dann eher eine Mischung mit trockenheitstoleranten, robusten Pflanzen", sagt er.
Landwirte können über das Kulturlandschaftsprogramm Förderung beantragen, wenn sie Blühflächen anlegen. Die Flächen bleiben dann entweder ein Jahr oder fünf Jahre lang unberührt. "Fünfjährige Flächen sind natürlich wertvoller für die Natur", betont Karl Gommel. Für die richtige Mischung gibt es dann auch Beratung. Alle Mischungen sind mit Pflanzen unterschiedlicher Blühzeit bestückt. So steht Insekten immer etwas zur Verfügung. Mit den Insekten kommen dann auch Vögel, die vor allem für die Aufzucht ihrer Jungen das tierische Eiweiß der Brummer benötigen. Die Blühflächen bieten ganzjährig Deckung und Brutmöglichkeit, für viele Vögel und Kleinsäuger oder eben Insekten.
Einfach mal nicht mähen
Wer im Privatgarten nicht gleich eine Blühfläche mit fertiger Mischung anlegen will, kann schon durch bloßes Nichtstun etwas bewirken. "Einfach mal nicht Mähen und ein Stück Wiese bis zum Frühjahr unberührt lassen", rät Karl Gommel. "Das spart auch Arbeit beim Mähen", fügt Faruk Varol hinzu, der zugibt, dass er sich auch erst an diese Form der Gartenpflege gewöhnen musste.
Gerade jetzt im Herbst, wenn viel Laub im Garten anfällt, wäre es schön, wenn nicht alles gleich zur Kompostieranlage gefahren wird. Laubhaufen haben vielmehr ihren Platz in einem Naturgarten und können für Tiere eine Hilfe zum Überwintern sein. Leben im Versteck Totholz bietet Lebensraum für eine Vielzahl von Arten. Wenn der Gartenbesitzer nichts davon sieht, liegt das daran, dass es vor allem um Schutz und Geborgenheit in einem Versteck geht. Also nicht ständig die Stämme umdrehen, um zu schauen, ob jemand eingezogen ist! Die Holzstücke sollten übrigens von verschiedenen Baumarten stammen und nicht zu dünn sein, sondern richtig dick.
Steinhaufen und Bienennisthilfe
Ein Lesesteinhaufen bietet ähnlich wie Trockenmauern Platz für allerhand kleine Bewohner. Der Haufen muss dabei nicht so groß sein wie der im Garten des Amtes. Zu klein sollte er aber auch nicht sein. Und die Steine dafür dürfen nicht von Lesesteinhaufen stammen, die in der Flur an Äckern zu finden sind. Die sollen nämlich genau dort bleiben. Ein Insektenhotel, das Karl Gommel lieber als Bienennisthilfe bezeichnet, gibt es fertig im Baumarkt zu kaufen. "Aber viel schöner ist es, wenn es selbst gebaut wird", sagt Faruk Varol. Am allerbesten wäre es, wenn es der Opa mit den Enkelkindern baut. "Da sind ein paar Sachen zu beachten, damit es nachher keine Enttäuschung gibt, wenn niemand einzieht", erklärt Karl Gommel.

Tipps für das Insektenhotel

  • Schön ist eine Ausrichtung der Hotelfront in Richtung Südosten.
  • Mit einem Dachvorsprung, der Schatten spendet, kann die Front auch in Richtung Süden oder Südwesten zeigen.
  • Die Ausstattung wird am sinnvollsten mit natürlichen Materialien vorgenommen.
    • Schilf- oder Bambushalme in Lochziegeln, waagerecht eingebaut, eignen sich beispielsweise.
    • Blöcke aus Hartholz wie Buche oder Eiche bekommen Löcher mit zwei bis zehn Millimetern Durchmesser, die etwa fünf bis zehn Zentimeter tief eingebohrt werden. Je nach Durchmesser ziehen dann unterschiedliche Arten ein.
    • Wichtig ist dabei aber, dass immer ins Längsholz gebohrt wird. In der Stirnseite der Blöcke bilden sich schnell Risse, in die Nässe und Parasiten eindringen und die Brut der Bienen gefährden können.
  • Direkt neben dem Hotel kann ja vielleicht auf einer Seite der Steinhaufen seinen Platz haben.
  • Auf der anderen Seite könnte ein Bündel mit markhaltigen dürren Ruten stehen (Heckenrose, Himbeere, Brombeere) aufgestellt werden. Anders als im eigentlichen Insektenhotel sollen diese Zweige locker gebunden aufrecht hingestellt werden und möglichst Sonne bekommen.
  • Wichtig ist es, vor der Front der Bienennisthilfe ein Drahtgitter anzubringen. Sonst wird das Hotel nämlich rasch zum Speisesaal für Vögel, die Insekten zum Fressen gern haben. Dafür ist es nicht gedacht.
Der Wildlebensraumberater Karl Gommel steht neben einer Totholzdeponie

© Rainer Lutz

Zei Männer befestigen Nistkasten an Baum

© Rainer Lutz

Erschienen bei infranken.de im Oktober 2020, Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Redakteurs Rainer Lutz