Unser Wald im Coburger Land und am Obermain
Dürresommer 2018: Heißes Wetter und Trockenheit machen dem Wald zu schaffen

Blick vom Georgenberg
An den Sommer 2018 werden wir uns vermutlich ähnlich lange erinnern wie an die Sommer 2015 und 2003. Deutschlandweit waren die Monate April bis Juli gegenüber der Klimareferenzperiode 1961 bis 1990 um 3,6 ° C zu warm. Eine Temperaturanomalie in dieser Höhe ist für einzelne Monate nichts Außergewöhnliches. Für vier Monate am Stück ist sie jedoch ein Indiz dafür, dass der Klimawandel kein Zukunftsszenario mehr ist, sondern wir uns mitten darin befinden. Der August droht mit einer Durchschnittstemperatur von 22,7 ° C (Agrarmeteorologische Wetterstation Bad Staffelstein; Stand: 20.08.2018) ebenfalls deutlich zu warm zu werden. Im letzten Jahr wurden dort im August durchschnittlich nur 18,7 ° C gemessen.
Noch mehr als die hohen Temperaturen haben dem Wald die geringen Niederschläge zugesetzt.
in Bad Staffelstein hat es vom 1. April bis zum 20. August nur 94 Liter je Quadratmeter geregnet. Im Vergleichszeitraum des Jahres 2017 waren es 450 Liter je Quadratmeter. In den als „Jahrhundertsommern“ bezeichneten Sommern 2015 und 2003 fielen dort im Vergleichszeitraum immerhin noch 201 bzw. 152 Liter je Quadratmeter. Die die Agrarmeteorologische Wetterstation in Meeder-Birkenmoor weist für das Coburger Land ähnliche Werte aus. Aufgrund der hohen Niederschläge von Juli 2017 bis März 2018 und der aufgefüllten Bodenwasservorräte konnten die Wälder die anhaltende Trockenheit zunächst gut verkraften. Ab Juli waren bei den Laubbäumen dann aber erhebliche Trockenschäden mit Laubverfärbungen und vorzeitigem Laubfall zu beobachten.
Bei der Fichte ist der Borkenkäferbefall ab August geradezu explodiert. Zum Stand 20.08.2018 gehen wir davon aus, dass das Maximum der Borkenkäferschäden noch nicht erreicht ist. Viele Waldbesitzer werden bis weit in den Herbst und in den Winter hinein mit der Aufarbeitung der Käferbestände gefordert sein. Welche Auswirkungen der Dürresommer auf die Kiefer und die Laubbäume hat, werden die nächsten Jahre zeigen. Nach früheren Trockenjahren war immer mit erheblichen Vitalitätsverlusten in den Folgejahren zu rechnen.

Die Zeit eilt: Wiederaufforstung von Borkenkäferflächen

Borkenkäfer befallene FichtenZoombild vorhanden

Borkenkäfer befallene Fichten

Waldbesitzer mit Borkenkäferflächen sollten diese möglichst zeitnah mit klimatoleranten Baumarten wieder aufforsten, bevor Verunkrautung mit Gras, Brombeere & Co. eine Wiederaufforstung erschweren.

Aufgrund der guten Belichtung empfiehlt es sich, in ausreichend großen Käferlöchern auf Lichtbaumarten wie die Eiche, Edellaubhölzer wie Ahorne, Vogelkirsche oder Elsbeere oder auch die Gastbaumart Douglasie zu setzen.

Mindestens jede fünfte Pflanze sollte eine dienende Schattbaumart (Rotbuche, Hainbuche, Linde) sein. In den Folgejahren schreitet der Borkenkäferbefall in den Randbereichen der Käfernester oft weiter voran oder der Sturm hat in den aufgerissenen Beständen leichtes Spiel.

Es ist daher ratsam, bereits auch die Ränder der verbliebenen Bestände mit Schattlaubhölzern oder der Weißtanne zu unterpflanzen.

Nicht vergessen: Umbau standortswidriger Nadelbaumbestände

FichtenaltbestandZoombild vorhanden

gut vorgesorgter Waldbestand

Ebenso wichtig wie die Wiederaufforstung von Borkenkäferflächen ist die frühzeitige, vorsorgende Einbringung klimatoleranter Baumarten in noch intakte Waldbestände. Leider findet eine solche viel zu selten statt. Oftmals ist vor einer Pflanzung eine Durchforstung erforderlich, um ausreichend Licht für die Waldverjüngung zu schaffen.
Das anfallende Holz kann zum Frischholzpreis verkauft werden und deckt einen Teil der anfallenden Waldumbau-Investition. Bei Borkenkäfer- oder Sturmholz drohen dagegen empfindliche Preisabschläge. Die Waldbesitzer- vereinigung (WBV) Lichtenfels-Staffelstein w. V. und die Waldbauernvereinigung (WBV) Coburger Land e. V. unterstützen ihre Mitglieder beim Auszeichnen der Bestände, der Vermittlung von Forstunternehmern für die Holzernte und beim Holzverkauf.

Attraktive finanzielle Förderung der Wiederaufforstung und des Waldumbaus

Der Freistaat Bayern und die Bayerische Forstverwaltung unterstützen Waldbesitzer bei der Wiederaufforstung ihrer Borkenkäferflächen und beim vorsorgenden Waldumbau. Die finanzielle Förderung kann sich sehen lassen: bei der Pflanzung von Laubbaumarten erhalten Waldbesitzer bis zu 1,43 € Zuschuss je Pflanze. Zusätzlich gibt es Zuschläge für die Verwendung zertifizierten Pflanzguts, von Ballen- und Großpflanzen, seltener Baumarten und Sträucher, Markierungsstäben und Wuchshilfen. Aufgrund der oft ausgeprägten Frühjahrstrockenheit sind Anpflanzungen im Herbst erfolgversprechender als im Frühjahr. Pflanzen können mit erheblichen Preisnachlässen über die WBVen bestellt werden. Auf Wunsch organisieren die WBVen auch die Pflanzung und den Bau eines Wildschutzzaunes über die Forstbaumschule oder andere Forstunternehmer.
Die Förster der Forstverwaltung am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Coburg/Lichtenfels beraten Waldbesitzer kostenlos in ihrem Wald über sinnvolle Bewirtschaftungsmaßnahmen und unterstützen die Waldbesitzer bei der Förderantragstellung. Den für Sie zuständigen Förster finden Sie unter dem Försterfinder oder können Sie unter der Telefonnummer 0 95 71 / 92 37-0 erfragen.
Für Ihre Wiederaufforstung und Ihre Waldumbaumaßnahme wünschen wir Ihnen gutes Gelingen!