Beim Holzeinschlag vorsichtig vorgehen
Nachbarschaftsschutzwald

Dunkler Wald mit dichten hohen Stämmen

Nicht durchforsteter Fichtenbestand

Waldbestände, wie der seit langem nicht durchforstete Fichtenbestand im Bild links, sind Stürmen schutzlos ausgesetzt, wenn in der Hauptsturmrichtung vorgelagerte Nachbarbestände beseitigt werden.
Darum: Vorsicht beim Holzeinschlag im Nachbarschaftssschutzwald!

Was ist Nachbarschaftsschutzwald?

Sturmwurf im FichtenwaldZoombild vorhanden

Erste Sturmwürfe in einem älteren Fichtenbestand nach einem Kahlhieb in einem westlich vorgelagerten Nachbarschaftsschutzwald.

Das Waldgesetz für Bayern kennt den Begriff des Nachbarschaftsschutzwaldes.
Das ist Wald, der benachbarte Waldbestände vor Sturmschäden schützt.
Ob diese einem Waldbesitzer selbst oder einem angrenzenden Waldbesitzer gehören, spielt dabei keine Rolle.
Nachbarschaftsschutzwald besteht kraft Gesetzes.
Ob es sich um Nachbarschaftsschutzwald handelt, beurteilt die Untere Forstbehörde am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Coburg /Lichtenfels im Einzelfall.

Bei der Beurteilung kommt es insbesondere darauf an, in welcher Himmelsrichtung Wald einem benachbarten Wald vorgelagert ist, aus welchen Baumarten der benachbarte Wald besteht, wie sein Pflegezustand ist und auf welchem Boden er stockt.
Rechtlich gesehen hat der Nachbarschaftsschutzwald den gleichen Schutzstatus wie Schutzwald in den Hochlagen der Alpen und der Mittelgebirge oder Wald auf Böden, die zur Verkarstung neigen oder stark erosionsgefährdet sind.

Was ist im Nachbarschaftsschutzwald zu beachten?

Im Waldgesetz für Bayern sind strenge Anforderungen an die Bewirtschaftung von Nachbarschaftsschutzwäldern geregelt.
Beabsichtigt ein Waldbesitzer im Nachbarschaftsschutzwald einen Kahlhieb auszuführen, muss er vorher beim AELF Coburg/ Lichtenfels eine Erlaubnis beantragen.
Diese darf nur dann erteilt werden, wenn kein unverhältnismäßiger Nachteil für benachbarte Waldbestände zu befürchten ist.
Ein ohne Erlaubnis durchgeführter Kahlhieb stellt nach dem Waldgesetz für Bayern eine Ordnungswidrigkeit dar, die mit einer Geldbuße bis zu 25.000 € belegt werden kann. Zudem drohen im Schadensfall privatrechtliche Schadensersatzforderungen des geschädigten Nachbarn.

Wie mit dem Thema Nachbarschaftsschutzwald pragmatisch umgehen?

Oftmals ist es für Waldbesitzer gar nicht so leicht zu beurteilen, ob es sich bei ihrem Wald um Nachbarschaftsschutzwald handelt, ob eine geplante Hiebsmaßnahme nachteilige Auswirkungen auf benachbarte eigene oder fremde Waldbestände haben könnte oder es sich dabei bereits um einen erlaubnispflichtigen Kahlhieb handelt.
Wir empfehlen solchen Waldbesitzern daher, sich die Situation vor Ort vorab gemeinsam mit ihrem/r zuständigen Forstrevierleiter/in des AELF Coburg anzusehen.
Meist können auch in Nachbarschaftsschutzwäldern Hiebsmaßnahmen durchgeführt werden, wenn beispielsweise nach und nach nur einzelne Bäume genutzt werden oder zum Nachbarn hin ein ausreichend dimensionierter Sturmschutzstreifen stehen bleibt.

Gebietszuständigkeiten der Revierleiter

Was müssen Waldbesitzer beachten, deren Wald vom Wald des Nachbarn geschützt wird?

ForstwegeZoombild vorhanden

Forstweg mit stabilem Waldinnenrand

Entlang von Forstwegen, Rückegassen oder Waldschneisen können sich stabile Waldinnenränder ausbilden, die den eigenen Wald vom Wald des Nachbarn unabhängig machen.
Waldbesitzer, deren Wald vom Wald des Nachbarn geschützt wird, können sich nicht auf Dauer auf diesen Schutz verlassen. Vielmehr müssen sie ihre Waldbestände rechtzeitig durch waldbauliche Maßnahmen so verselbstständigen, dass sie von dem vorgelagerten Sturmschutzwald unabhängig werden. Solche waldbaulichen Maßnahmen können in älteren Bestände schwache Durchforstungen in kurzen Intervallen (alle drei bis fünf Jahre) sein, in jüngeren Beständen sogenannte "Freihiebe" (z. B. Anlage einer breiten Rückegasse zum benachbarten Wald hin, damit die eigenen Randbäume lange grüne Kronen und dicke Stämme ausbilden und sich damit selbst stabilisieren). Auch diese Waldbesitzer können sich jederzeit von den Forstrevierleitern des AELF Coburg/Lichtenfels beraten lassen.

Regelmäßige Durchforstungen helfen, den eigenen Wald zu stabilisieren, ohne den Wald des Nachbarn zu gefährden.

Regelmäßige Durchforstungen helfen, den eigenen Wald zu stabilisieren ohne den Wald des Nachbarn zu gefährden.